Die Geschichte der ehemaligen Hofmark Erasbach

 

Die oberpfälzische Ortschaft Erasbach reicht weit zurück in die Geschichte, bis in die Zeit des bayerischen Nordgaues. Schon in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wird der Ort, der altes Reichsgut war, urkundlich erwähnt. Die erste urkundliche Nennung von "Erichesbach" (Erasbach) erfolgte am 22. Juli 1080. An diesem Tag verlieh König Heinrich IV. (1056-1106) dem Eichstätter Bischof Udalrich, den er "seinen geliebten Getreuen" nennt, den Wildbann, d.h. das Recht, in einem genau begrenzten Gebiet die Jagd auszuüben. Als Grenzort erscheint u.a. auch Erasbach. Etwa hundert Jahre später wird uns von der Weihe einer Kirche zu "Erinsbach" (Erasbach) berichtet. Es handelt sich dabei um ein kleineres Gotteshaus, das der Eichstätter Bischof Otto (1182-1196) um das Jahr 1188 weihte. Im 12. Jahrhundert stand in Erasbach auch schon eine Burg, eine Reichsministerialenburg, deren Besitzer Reichsministerialen waren, wie z.B. "Reginger de Erichespach" (Reginger von Erasbach), der im Jahre 1138 als Zeuge in einer Urkunde des Klosters Weihenstephan erscheint. Ein weiterer Ministeriale, “Merbort de Erichspach" ist um das Jahr 1149 belegt. Die Reichsministerialen von Erasbach traten allmählich in den Dienst der Grafen von Hirschberg.

Im Jahre 1305 starb mit Gebhard Vll. das mächtige Geschlecht der Grafen von Hirschberg aus. In seinem Testament setzte er das Bistum Eichstätt als Erben ein. Auf Grund des Vertrages von Gaimersheim (19. Oktober 1305) kam "Erispach" (Erasbach) als Hirschberger Erbe an die Kirche von Eichstätt. Die Burg von Erasbach, die wohl in der Ortsmitte erbaut wurde, wechselte wie viele mittelalterliche Burgen häufig den Besitzer. Im Jahre 1346 hatte die Burg das adelige Geschlecht der Koppen inne. Von diesem kam sie1375 mit allen dazugehörigen Gütern an Konrad Hillebrand, 1396 an Nikolaus Hillebrand und 1429 an Seiz Mühlbeck. An das hochangesehene Geschlecht der Mühlbeck erinnert noch heute ein sehr gut erhaltenes Wappen im gotischen Ostchor der Dorfkirche (über dem Eingang zur Sakristei). Christoph Mühlbeck starb am 17. Juni 1473 zu Erasbach und Wolf (Wolfgang) Mühlbeck am 1. August 1514. Der Grabstein von Wolf Mühlbeck befindet sich in der Berchinger St.-Lorenz-Kirche. Als weiterer Besitzer von Erasbach erscheint Hans Thannhäuser, der auch Pfleger der Herrschaft Helfenberg war. Im Jahre 1522 stellte ihm Kaiser Karl V. (1519-1556) einen Freiheitsbrief über das Schloß Erasbach aus (die Burg wird jetzt Schloß genannt).

Urkundlich wird Hans Thannhauser noch einmal 1528 genannt. Im 16. Jahrhundert wurde durch häufigen Besitzerwechsel der einst umfangreiche Besitz des Gutes Erasbach stark heruntergewirtschaftet. Auf Hans Thannhauser folgten als Besitzer von Erasbach: 1544 Christof von Eyb, 1556 Hans Friedrich von Liechtau, 1568 Ulrich Dieß, 1572 Dr. Georg Hofmann (Kastner zu Hirschberg) und 1586 Christian Hartung.   

 

urkunde

Urkunde vom 22. Juli 1080, erste urkundliche Nennung von "Erichesbach" (Erasbach)  

 

Die Hofmark Erasbach

Erasbach war jahrhundertelang Hofmark. Der Begriff "Hofmark" wurde in Altbayern erstmals im 13. Jahrhundert geprägt. Im 14. Jahrhundert erscheint er bereits häufiger. Unter Hofmark verstand man später einen Rechtsbezirk, in welchem der Hofmarksherr die niedere Gerichtsbarkeit über seine Untertanen ausübte. Die Niedergerichtsbarkeit erstreckte sich auf die Strafgerichtsbarkeit (ohne Blutbann), die Zivilgerichtsbarkeit (ohne die Entscheidung über Grund und Boden) und das Polizeiwesen.

Die Hofmark Erasbach besaß seit 1601 Georg Deiblinger. Im Jahre1630 erwarb sie von dessen Witwe der Neumarkter Stadtpfarrer Matthias Faber (1586-1653). Als dieser 1637 zu Wien in den Jesuitenorden eintrat, kam das Landsassengut Erasbach an das Jesuitenkolleg in Eichstätt. Nächster Landsasse von Erasbach war ab 1651 Christoph Ludwig Gugl von Wappersdorf und ab1683 der kurfürstliche bayer. Rat und Pfleger zu Pfaffenhofen und Haimburg Karl Tunzler (+ 9. August 1691, 69 Jahre alt). Von dessen Erben erwarb das Landsassengut im Jahre 1710 Adam von Rupprecht (+ 14. Februar 1728), kurfürstlicher Regimentsrat aus Kemnath. Im Jahre 1774 gehörten zur Hofmark Erasbach 17 Häuser (von insgesamt 20), ferner Besitzungen in Bachhausen, Großberghausen, Kevenhüll, Mörsdorf und Weihersdorf. Die Familie Rupprecht blieb etwa 110 Jahre lang im Besitz der Hofmark Erasbach. Letzter Landsasse war Michael Joseph Freiherr von Rupprecht (+ 13. Juli 1829 in Amberg). Mit der Aufhebung des Patrimonialgerichtes II. Klasse im Jahre 1831 verlor Erasbach endgültig seine einstige Unterherrlichkit.  

 

Die wechselvolle Geschichte Erasbach vom 16. - 18. Jahrhundert.

Erasbach gehörte – kirchlich gesehen – seit dem Mittelalter zur Pfarrei Weidenwang, ebenso Hofen und Mühlhausen.

In der Zeit von1545 bis1625,also innerhalb von 80 Jahren, mußte das kurpfälzische Gebiet – und dazu gehörte Erasbach – fünfmal die Konfession wechseln.

Auch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) bekam Erasbach in voller Härte zu spüren. Erasbach war nicht nur Plünderungen und Verwüstungen ausgesetzt. Im Jahre 1643 brach das Unheil über den Ort herein: Durchziehende Schweden brannten den größten Teil des Dorfes nieder.

Der Wiederaufbau dauerte Generationen. Dennoch waren die Menschen nicht ohne Mut, ohne Hoffnung und Gottvertrauen. Bald setzte eine große Bautätigkeit ein. Vor allem wurden viele Kirchen neu oder umgebaut. In der gerade für Bayern so bedeutsamen Epoche des Barock erhielt auch die Kirche "Mariä Heimsuchung" zu Erasbach ihre einzigartige barocke Um- und Ausgestaltung. Der gotische Ostchor (mit Turm) aus dem 14. Jahrhundert blieb erhalten. In ihm wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts ein sehr schöner barocker Hochaltar aufgestellt, der noch heute als Zierde der Erasbacher Kirche gilt. Die beiden Seitenaltäre entstanden um 1725.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) war die freigewordene Förster- und Jägerstelle in Erasbach neu zu besetzen. Durch Vermittlung des Schultheißen von Neumarkt, Johann Georg Graf von der Hauben (1708-1714), erhielt die vakante Stelle Alexander Johann Gluck aus Neustadt a.d. Waldnaab. Im Jahre 1711

oder 1712 zog er mit seiner Familie nach Erasbach. In Erasbach wurden dem Förster Alexander Gluck und seiner Ehefrau Maria Walburga zwei Söhne geboren: Christoph Willibald Gluck, der am 2. Juli 1714 das Licht der Welt erblickte, und Christoph Anton, der am 11. April 1716 getauft wurde. Der Vater Alexander Gluck stand als Jäger und Förster im Dienst des Zisterzienserinnenklosters Seligenporten und des Benediktinerklosters Plankstetten.Am 31.August 1717 endete das Dienstverhältnis Alexander Glucks in Erasbach. Sein Wohnhaus verkaufte er um 270 fl. an Leonhard Wagner aus Wolfersthal. Anfang September 1717 erfolgteder Umzug der Familie nach Böhmen. Christoph Willibald Gluck, der Reformer der Oper und erste Großmeister der Wiener Klassik, starb am 15. November 1787 in Wien.

 

Erasbach im 19. und 20. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert brachte im Königreich Bayern eine Vielzahl von Gebietsreformen. 1803 gehörte Erasbach zunächst zum Landgericht Neumarkt. 1808 kam Erasbach zum Altmühlkreis, 1810 zum Oberdonaukreis und 1817 zum Regenkreis. 1818 wurde Erasbach eine selbständige Gemeinde; sie blieb es 160 Jahre lang, bis zum Jahre 1978. Von 1827 an gehörte Erasbach zum Landgericht und Rentamt (Finanzamt) Beilngries. 1838 kam die Gemeinde (mit dem Landgericht Beilngries) zum Regierungsbezirk Mittelfranken. 1862 wurden Justiz und Verwaltung in Bayern getrennt und die sogenannten Bezirksämter errichtet. Die Gemeinde Erasbach kam jetzt zum Bezirksamt und Amtsgericht Beilngries. Am 1. Januar 1880 wurde das Bezirksamt Beilngries und somit auch Erasbach aus dem Regierungsbezirk Mittelfranken ausgegliedert und dem Regierungsbezirk Regensburg und Oberpfalz zugeteilt. Im Jahre 1939 benannte man die Bezirke in Landkreise und die Bezirksämter in Landratsämter um. Die Gemeinde Erasbach gehörte von 1939 bis 1972 zum Landkreis Beilngries, der bei der Kreisgebietsreform in Bayern (1972) aufgelöst wurde. Seit 1.Juli 1972 gibt es den größer gewordenen Landkreis Neumarkt i.d. OPf., ihm wurde ein Teil des ehemaligen Landkreises Beilngries zugewiesen. Seit 1. Mai 1978 gehört die frühere, selbständige Gemeinde Erasbach zur Großgemeinde Berching.

Die Erasbacher Kirche "Mariä Heimsuchung" wurde1925/26 nach den Plänen von Architekt Rolf Behringer, Nürnberg, erweitert und renoviert. Wobei kurz zuvor im Jahr 1924 ein neuer Glockenstuhl und 3 neue Glocken angeschafft wurden. Die Weihe der erweiterten Kirche und die Konsekration des neuen Hochaltars vollzog am 12. Juni 1926 der Eichstätter Diözesanbischof Leo von Mergel.

Eine weitere Außen- und Innenrenovierung wurde 48 Jahre später, im Jahr 1973 durchgeführt. Von1718 bis 1974 hatte Erasbach einen eigenen Seelsorger. Seit 1975 gehört Erasbach zum Pfarrbezirk Pollanten/Erasbach/Weidenwang und wird seit dieser Zeit durch Pfarrer Peter Knoll von Pollanten betreut.

Ein kirchenmusikalischer Höhepunkt war die Einweihung der neuen Orgel am 28.06.1981. Eine Reparatur der seit 1904 bestehenden alten Orgel war aus Kostengründen nicht mehr sinnvoll. Bischof Walter Mixa feierte mit der gesamten Erasbacher Pfarrgemeinde am 29.11.1998 den Abschluß der Innenrenovierung des Gotteshauses. Die Renovierung wurde in der Zeit vom 04.05.98 - 13.09.98 durchgeführt.

In Erasbach gibt es ein recht reges Vereinsleben. Unter den bestehenden Vereinen ist der älteste die Freiwillige Feuerwehr; sie wurde 1875 gegründet. 1911 erfolgte die Gründung des Schützenvereins e.V. Im Jahre1920 schlossen sich die aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrten ehemaligen Frontsoldaten im Kriegerverein zusammen. Während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben weithin zum Erliegen. Die Jahre des Nationalsozialismus sind den Erasbachern in recht unguter Erinnerung. 1936 entstand im Westen der Ortschaft ein Reichsarbeitsdienstlager, das 1944 Lazarett der deutschen Wehrmacht und 1945 Kriegsgefangenenlager wurde; es war mit einem Stacheldrahtzaun und mit Wachtürmen umgeben. Das Steinlager war von 1941 Wehrertüchtigungslager, unmittelbar vor der Kapitulation Lazarett der SS, danach im Besitz der amerikanischen Streitkräfte, schließlich Unterkunft für staatenlose Polen und Ukrainer und zuletzt Flüchtlingslager.

In den vergangenen 50 Jahren erlebte Erasbach eine rasche und gesunde Aufwärtsentwicklung. Erasbach hat alle größeren kommunalen Probleme gelöst, wie z.B. die Wasserversorgung, die Kanalisation und den Ausbau der Innerortsstraßen.

Da keine Möglichkeit bestand, den bestehenden Friedhof zu erweitern, wurde durch die Stadt Berching ein neuer Friedhof angelegt. Dieser bekam am 2. Dez. 1979 seinen kirchlichen Segen. Nach dem 2. Weltkrieg blühte das Vereinsleben wieder auf. Wiedergegründet wurden am 08.05.1954 der Kriegerverein sowie im September 1979 der Obst- und Gartenbauverein.

Neu entstanden sind 1959 der Ball-Spiel-Verein Erasbach und im Jahr 1964 das Katholische Werkvolk (jetzt KAB). Das mit sehr viel Eigenleistung seiner Mitglieder gebaute Sport- und Schützenheim konnte am 29.07.1979 eingeweiht werden. Ein großes Fest der ehemaligen Gemeinde Erasbach war die 900-Jahr-Feier, die vom 24.– 27. Juli 1980 würdig begangen wurde.

Der Frauenkreis Erasbach, der am 07.06.1984 gegründet wurde, trägt sehr zum geselligen und kulturellen Leben in der Gemeinde bei.

Der Zimmerstutzen – Schützenverein Erasbach blickte in einer würdigen Feier vom 18.-20.07.86 auf sein 75jähriges Bestehen zurück. Dabei wurde auch die neue Fahne eingeweiht.

Rechtzeitig zur 30-Jahr-Feier des BSV Erasbach am 28.05.1989 konnte die Tennisanlage mit dazugehörigem Gerätehaus und der Kinderspielplatz fertiggestellt werden. In einer Bauzeit von 4 Jahren sind auf dem Sportgelände des BSV Erasbach 2 neue Sportplätze geschaffen worden. Die feierliche Einweihung erfolgte am 11.06.95. Der BSV Erasbach konnte in den Tagen vom 30.07.– 01.08.99 auf sein 40jähriges Bestehen zurückblicken.

Die KAB Erasbach feierte am 15. u. 16.09.90 ihr 25jähriges Bestehen.

Vom 18.-20.07.97 beging die SRK Erasbach ihr 75jähriges Gründungsfest.

Das sog. "OGV-Häusl", das der Obst- und Gartenbauverein in den Jahren 1995- 1997 errichtet hat, erhielt am 03.06.1999 seine kirchliche Weihe.